Yin Yoga für Anxiety

Immer in Bewegung?  
Yin-Yoga ist ein passiver Stil, bei dem die einzelnen Haltungen bis zu 5 Minuten gehalten werden. Was von außen vielleicht „einfach“ aussieht, ist für die allermeisten Übenden eine sehr große Herausforderung: Wir sind es gewohnt, ständig in Bewegung zu sein und auf jeden kleinen Impuls zu reagieren. Allein mental gibt uns Yin-Yoga bereits die Gelegenheit, ein Gegengewicht zum Alltag zu setzen. Wir lernen uns einer Haltung anzuvertrauen und die Ruhe auszuhalten –  gerade für Menschen mit viel Stress oder innerer Unruhe eine besonders wertvolle Qualität.

Im Yin-Yoga unterstützen wir uns idealerweise mit vielen Hilfsmitteln. Decken, Gurte, Blöcke und Kissen können hier kreativ eingesetzt werden, um die eigene Praxis zu unterstützen.

Wenn du bereits Yin-Yoga praktiziert hast, dann hast du vielleicht schon selbst die überraschende Erfahrung machen dürfen, dass 30 Minuten Vinyasa-Yoga vielleicht kein Problem für dich sind – aber 3 Minuten ruhig in einer Haltung zu verbringen teilweise eine große Herausforderung darstellen kann. Wir leben in einer „Yang“-Welt, in der wir Aktivität als „gut“ bewerten und Passivität manchmal mit Schwäche gleichsetzen. Vielleicht ist uns deshalb diese Qualität zuweilen abhanden gekommen. Im Yin-Yoga können wir sie wieder neu erschließen. Denn wie bereits das populäre Yin und Yang-Symbol zeigt: Aktivität und Passivität bedingen einander und können nur gemeinsam ein Gleichgewicht erzeugen.

Dieses Symbol kennen viele aus der chinesischen Philosophie. Es zeigt wie zwei duale und sehr unterschiedliche Energien (schwarz/weiß, aktiv/passiv) sich gegenseitig bedingen und nur gemeinsam ein Gleichgewicht herstellen können (Kugel). Die schwarze Kugel auf weißem Grund, bzw. die weiße Kugel auf schwarzem Grund zeigen: In jeder Form der Passivität, steckt auch etwas aktive Energie (und umgekehrt). Das Eine ist ohne das Andere nicht denkbar!

Körperlich bietet uns Yin-Yoga eine Menge an. Wir üben möglichst ohne muskuläre Anspannung: Anstatt Muskeln zu stärken oder zu dehnen, gehen wir hier eher in die faszialen Strukturen des Körpers. Faszien vernetzen die einzelnen Elemente unseres Körpers miteinander. Einzelne Faszien erstrecken sich großflächig über mehrere Körperregionen und verbinden so weit auseinander liegende Systeme miteinander. Yin-Yoga hilft, Verklebungen Verkürzungen in den Faszien aufzulösen und so wieder mehr Beweglichkeit und Geschmeidigkeit in den Körper zu bringen.

Im Yin-Yoga halten wir die Übungen ca. 3-5 Minuten möglichst passiv, dadurch erreichen wir eher die faszialen Strukturen im Körper (und nicht wie bei dynamischen Yogastilen in erster Linie die Muskulatur). Wir lösen so Verklebungen und Verkürzungen im Körper und beruhigen unser Nervensystem – wir üben, die Stille auszuhalten. Ein wichtiger Aspekt neben den Faszien sind die Meridiane. Sie verlaufen in weiten Teilen identisch mit den Faszienketten im Körper.
Die Meridian-Heilkunde entspringt der traditionellen chinesischen Medizin. Fernöstliche Praktiken (wie etwa die Akupunktur) arbeiten mit diesen „Energieleitbahnen“, die den Körper und seine Organe mit Lebensenergie versorgen sollen,

Wenn Vorbeugen am Anfang zu herausfordernd sind, kann es hilfreich sein, den Kopf auf einem Hilfsmittel abzulegen.

Die Idee hier ist, dass Krankheiten und Störungen insbesondere dann entstehen, wenn der Energiefluss in denn Meridianen gestört ist. Viele Meridiane sind einem Organsystem zugeordnet (z.B. Nierenmeridian, Herzmeridian). Wie die Faszien, verbinden auch diese „Energieleitbahnen“ verschiedene Bereiche des Körpers zu einem komplexen, interaktiven System. Die TCM sieht den Körper und seine womöglichen Probleme ganzheitlich: Phänomene wie Stress, Sorgen oder Ängste (typische Anxiety-Symptome) werden hier immer im Kontext des gesamten Körpers gesehen und seinem womöglich gestörten Energiefluss. Die Nieren werden beispielsweise häufig mit dem Thema Angst in Verbundung gebracht. Wie gesagt verlaufen viele Meridiane ähnlich wie die Faszienstrukturen in unseren Körpern. So können wir nicht nur wieder Geschmeidigkeit in unsere Körper und Ruhe in unseren Geist bringen, sondern auch den Energiefluss in den Meridianen wieder zum fließen bringen.

Mit Yin gegen Anxiety-Symtpome

  • Innere Unruhe
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Zähneknirschen
  • Gedankenkreisen
  • Endloses Grübeln
  • Sorgen
  • Schlafstörungen
  • Angespanntheit
  • Gereiztheit
  • (Irrationale) Ängste
  • Panikattacken
  • Rastlosigkeit
  • Muskuläre Verspannungen
  • Verdauungsprobleme

Das sind nur einige klassische Anxiety-Symptome. Ich bin der festen Überzeugung: Man braucht nicht unter einer klinisch diagnostizierbaren Angststörung zu leiden, um unter einem oder mehrerer dieser Symptome im Alltag zu leiden. In einer Yang-Welt (ständige Erreichbarkeit, Leistungsdruck, Selbstoptimierung, Selbstzweifel, Überaktivierung…) ist es völlig naheliegend, dass uns Yin-Qualitäten (Ruhe, Entspannung, Regeneration, Vertrauen, Hingabe…) manchmal abhanden kommen und so womöglich Symptome wie die oben genannten auftreten. Yin-Yoga kann helfen, indem wir aus der Überaktivierung in die Passivität finden, muskuläre Anspannung Stück für Stück loslassen und uns in einer Welt voller Normen und idealen Raum für eine absolut individuelle Praxis geben.

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